Neuer Facebook Algorithmus – Überblick und Lösungen

Geschrieben von Christian Hülsmeier am 19. Januar 2018

Viele von euch haben in den letzten Tagen sicherlich schon bemerkt, dass die organische Reichweite der Facebook Einträge gesunken ist.

Grund dafür ist eine von Facebook bewusst initiierte Umstellung im NewsFeed Algorithmus, mit dem Facebook erreichen will, dass wieder vermehrt die Einträge der eigenen Freunde und weniger die von Unternehmen und News-Portalen im Fokus stehen. So zumindest die offizielle Version. Für viele User mag das auch gut sein. Wir Marketer hingegen müssen umso mehr investieren, wenn wir zukünftig unsere Fans und Zielgruppen erreichen wollen. Sicherlich auch ein primäres Ziel von Facebook.

Wie lösen wir das Problem also und wie können uns Videos dabei helfen? Es gibt da unserer Meinung nach mehrere Ansätze:

 

1. Mehr investieren

Die wohl einfachste Möglichkeit. Fakt ist, dass man darüber nachdenken muss, die Budgets für Facebook Ads zu erhöhen. Da unsere normalen Posts immer weniger Menschen erreichen, sind wir mittlerweile fast gezwungen, Beiträge zu bewerben oder Dark Posts im Hintergrund zu schalten. Immerhin können wir dabei unsere Zielgruppen genau definieren. Man darf nicht vergessen, dass der Werbeanzeigenmanager extreme Möglichkeiten bietet mit geringen Streuverlusten zu werben. Unsere Empfehlung ist daher klar: Weniger Print-, mehr Online-Budget. Vielleicht hilft Vielen hier schon eine gewisse Umverteilung des Budgets.

Denkt bei der Schaltung eurer Anzeigen auch immer an das Ziel der Kampagne. Bei Videos macht es beispielsweise oftmals Sinn die Anzeige nicht mit dem Ziel “Videoaufrufe” zu schalten, sondern mit dem Ziel Traffic. Denn Detailinfos sollen sich eure Kunden ja bewusst auf eurer Website holen und dort im besten Fall auch direkt kaufen.

 

2. Interaktion

Versucht eure User dazu zu animieren, Freunde und Bekannte in den Kommentaren zu verlinken. Da es sich dabei dann um User-relevanten Content handelt, werden eure Unternehmensbeiträge auch wieder organisch bevorzugt angezeigt.

 

3. Seite “abonnieren”

Seite abonnieren und “Als Erstes anzeigen”!

Neben dem “Gefällt-Mir-Button” gibt es eine fast noch wichtigere Schaltfläche , nämlich den “Abonnieren-Button”. Dieser bringt den Vorteil mit sich, dass eure Fans immer eine Push-Nachricht bzw. Notification erhalten, wenn ihr etwas gepostet habt. Wichtig: Wir empfehlen dabei die Funktion “Als Erstes anzeigen” zu aktivieren.

 

4. Gruppen

Das nächste Event wie z.B. eine Messe oder ein Produkt-Launch stehen bevor? Dann probiert es doch mal mit einer Facebook Gruppe. Auch hier befindet man sich per Facebook Definition eher in einem privaten Umfeld, wodurch die Beiträge hier enorm priorisiert behandelt werden. De facto erhält jedes Gruppenmitglied nach einem neuen Post eine Notification, wird also auf euren Beitrag aufmerksam gemacht.

 

5. Teilen

Versucht die Inhalte eures Unternehmens mit euren Freunden zu teilen. Durch das Posten im eigenen Newsfeed befinden wir uns wieder in der von Facebook bevorzugten privaten Umgebung. Ermutigt also eure Mitarbeiter, die Inhalte eurer Unternehmens-Posts zu teilen. Natürlich sollte auch das Teilen bestimmter Inhalte auf eurer Website durch die Implementierung der Social Media Buttons gewährleistet werden.

 

6. Andere Kanäle nutzen

Wir sind der Meinung, dass insbesondere Kanäle wie Instagram und dort vor allem die Stories enormes Potential für das Videomarketing bieten. Auch wenn Instagram zu Facebook gehört, sollte man zumindest hier mal Reichweiten und neue Formate testen. Wichtig ist dabei zu beachten, dass man nicht einfach normale 16:9 Videos in Instagram Stories posten sollte, da Stories generell im Hochformat angelegt werden. daher empfiehlt es sich, die Videos im 9:16 zu erstellen. Dabei helfen wir aber gerne.

Gleiches gilt für LinkedIn. Je nach Größe eures Unternehmens – wir empfehlen es in jedem Fall dem Mittelstand – solltet ihr hier vermehrt Präsenz zeigen.  Verlasst euch niemals nur auf einen Kanal!

 

7. Lösungen präsentieren

Klar ist es interessant, sich als Unternehmen transparent und glaubwürdig zu präsentieren und auch mal Bilder der Weihnachtsfeier zu posten oder Einblicke in den Arbeitsalltag zu gewähren. Aber seien wir mal ehrlich: Gucken wir uns bei anderen Unternehmen immer diese Beiträge genau an? Wohl eher nicht. Daher sollten wir den Schwerpunkt unserer Beiträge nicht darauf legen, sondern eher mal zwischendurch Einblicke in das Unternehmen geben. Viele eurer Produkte sind Problemlöser. Ihr solltet daher im besten Fall euren Usern durch kurze Videos zeigen, wie diese ein bestimmtes Problem im (Arbeits-) Alltag (je nach dem ob ihr im B2B oder B2C tätig seid) mit euren Produktlösungen beheben können. Helfen können euch dabei vor allem How-To-Videos, wie wir sie beispielsweise seit Jahren für die Firma SAICOS produzieren.

Grundsätzlich gilt es aber zuerst einmal herauszufinden, woran die Mehrzahl eurer Facebook Fans eigentlich interessiert ist. Sind beispielsweise 10% eurer Fans potentielle Bewerber oder Mitarbeiter, so ist es recht uninteressant für die restlichen 90%, wenn ihr größtenteils interessanten Content für diese 10% produziert. In einem solchen Fall werden 90% eurer Fans den Beiträgen keine besondere Beachtung schenken und über die Beiträge hinweg scrollen. Facebook merkt sich u.a. anhand der Verweildauer beim Lesen des Posts, wie wichtig den Usern der Beitrag ist. Im o.g. Fall werden die 90% recht schnell weiter scrollen. Kommt dies häufiger vor, dann werden eure Beiträge diesen 90% irgendwann gar nicht mehr angezeigt und ihr verliert weiter an organischer Reichweite.

Besser ist hier ein gesunder Mix. Im o.g. Beispiel wäre es beispielsweise sinnvoll, jedes zehnte Mal Content für die 10 % Mitarbeiter und Bewerber zu produzieren, die restlichen 9 Posts sollten Produkt- oder Problemlösungen für Kunden sein. Aber wie immer beim Facebook Marketing gilt, dass man auch hierfür ein Gefühl entwickeln muss. Vielleicht zeigt die Erfahrung ja auch, dass ihr so loyale Kunden habt, dass diese wirklich fast jeden Beitrag für euch pushen.

Infos zu euren Facebook Fans geben euch die Statistiken eurer Facebook Seite.

 

8. Interne Social Media Guidelines

Gerade bei größeren Unternehmen können die eigenen Mitarbeiter die größten Markenbotschafter und Multiplikatoren sein. Durch ihre Unterstützung in Form von Likes, Shares und Kommentaren, könnt ihr eine höhere Reichweite erzielen. Dabei sollten allerdings Regeln beachtet werden. Nicht selten kommentieren Mitarbeiter bestimmte Inhalte in den Kommentaren und sind damit direkt das Sprachrohr des Unternehmens. Dabei gilt natürlich grundsätzlich, dass diese Funktion generell der Marketing- und PR-Abteilung zuzuweisen ist, die offiziell zu allen Inhalten Stellung bezieht. Viele Personen scheinen dennoch die Social Media Welt als anonymen Raum zu betrachten. Hier gilt es von vornherein für Aufklärung zu sorgen und beispielsweise über das Intranet und Rundmails an die Belegschaft Hilfestellungen für die Nutzung der sozialen Medien zu geben. Wichtig: Hier darf es keinesfalls um Bevormundung gehen, sondern lediglich um Unterstützung. Oftmals sind beispielsweise auch bestimmte Funktionen unbekannt, bei denen man die eigene Privatsphäre auf Facebook besser schützen kann.

 

9. Wie euch Videos helfen können

Keiner will lesen, jeder will “sehen” und unterhalten werden. Unsere Aufmerksamkeitsspanne liegt dank unseres heutigen Medienkonsums nur noch bei knapp 8 Sekunden. Facebook Videos müssen einfach zu konsumieren sein und dem Betrachter schnell eine Botschaft vermitteln. Bei Werbeanzeigen empfiehlt Facebook mittlerweile sogar nur noch eine Videolänge von ca. 15 Sekunden. Natürlich gilt nach wie vor: Content is King. Fesselt das Video den Zuschauer innerhalb der ersten Sekunden, erreicht ihn wahrscheinlich auch die Werbebotschaft. Trotzdem sollte zukünftig darauf geachtet werden, dass bestimmte Botschaften direkt zu Beginn des Videos aufgenommen werden. Unsere Erfahrung zeigt zudem, dass insbesondere technische Problemlösungen und Stellenanzeigen in Form bewegter Bilder häufig kommentiert und geliked werden. Da ein Großteil der Videos ohne Ton geschaut wird, können Textanimationen dabei helfen, die zentrale Botschaft zu transportieren.

Für uns geht der Trend im Online-Bereich daher klar zu kurzen Facebook Spots sowie Instagram Story Ads.

Achtet bei der Schaltung von Werbeanzeigen auch insbesondere darauf, welches Werbeziel ihr auswählt. Bei Videos sind nicht immer “Videoaufrufe” das wichtigste Ziel, sondern der “Traffic”, der aus der Betrachtung des Videos resultiert. Facebook Videos betrachten wir als eine Art “Appetizer”. Geschmack holt man sich auf Facebook, gegessen wird zu Hause (auf der eigenen Website).

 

 

 

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