Antelope Canyon fotografieren – So geht’s

Geschrieben von admin am 14. November 2016

Vor wenigen Wochen durfte ich mir einen kleinen Traum erfüllen. Man kennt die Bilder von rot leuchtenden Felsen, atemberaubender Sonneneinstrahlung und fast unwirklichen Motiven ja nur zu gut. „Wie viel Photoshop ist dafür notwendig?“, hört man immer wieder in den Kommentaren dazu. Ich kann euch beruhigen: Nicht allzu viel.

Trotzdem ist beim Fotografieren im Antelope Canyon einiges zu beachten. Aber der Reihe nach.

Zuerst einmal stellt sich die Frage, welchen Canyon man eigentlich lieber fotografieren sollte? In Page, Arizona gibt es nämlich sowohl den Upper als auch den Lower Antelope Canyon. Wenn ihr ambitionierte Fotografen seid, dann empfehle ich euch definitiv den Upper Antelope Canyon. Hier seht ihr zur Mittagszeit die beeindruckenden Sunbeams am besten und habt auch, meiner Meinung nach, etwas schönere und breitere Räume, die ihr einfangen könnt.

Den Lower Antelope Canyon habe ich zwar auch besucht, aber dafür nicht extra eine – doch recht teure – Photo Tour gebucht.

Knapp zwei Minuten hat man Zeit, bis die Touristen wieder an den Kameras vorbeilaufen dürfen.

UPPER ANTELOPE CANYON

Der Canyon befindet sich ungefähr am Meilenstein 302 auf dem Highway 98, ca. 10 Autominuten außerhalb von Page. Ich habe die Tour bei Navajo Tours für ca. 90 USD gebucht. Am Eingang müsst ihr aber nochmal knapp 8 USDs pro Auto zusätzlich zahlen.

Wichtig: Wenn ihr könnt, dann bucht die Tour lange im Voraus. Das Interesse ist dort wirklich riesig, insbesondere bei den Photo-Touren.

Den Canyon erreicht ihr mit Hilfe eines Tour-Jeeps. Bei der Photo Tour waren wir insgesamt 10 Fotografen und zwei Guides.

Nachdem wir den Canyon betreten haben, bereiteten wir uns direkt auf das erste Shooting vor. Unsere Guides malten dabei immer eine Linie in den Sand, auf der wir uns neben- und hintereinander platzieren sollten. Die eine Hälfte stellte ihr Stativ so klein wie möglich ein, die andere etwas höher, damit wir in zwei Reihen stehen/hocken konnten. Meine Empfehlung ist tatsächlich ziemlich aus der Frosch-Perspektive zu fotografieren. Nutzt dafür auf jeden Fall ein Stativ mit Kugelkopf.

Nachdem die Guides uns unseren Standort gezeigt hatten, kümmerten sie sich darum, dass alle Touristen aus dem Sichtfeld verschwinden. Diese Zeit solltet ihr zügig nutzen, um die Einstellungen an der Kamera vorzubereiten.

Ich persönlich habe mit der Sony a6000 sowie dem 8-15mm Fisheye von Canon fotografiert. Je weitwinkeliger eure Optik ist, umso besser. Im Canyon ist es wirklich recht schmal und klein, quasi wie in einer Höhle und ihr verschenkt sonst zu viel im Bildausschnitt. Das Canon Objektiv habe ich mit Hilfe eines Adapters von Novoflex an der Sony befestigt.

Zu den Kameraeinstellungen:

Das aller Wichtigste vorab: Fotografiert im RAW. Nichts ist schlimmer, als wenn ihr aus diesen genialen Fotos später nicht noch das letzte feine Detail rausholen könnt. Ich habe selber RAW+JPG erstellen lassen und war überrascht wie gut die Bilder bereits im JPG aussahen. Trotzdem: RAW ist ein Muss.
Die Lichtverhältnisse im Canyon sind natürlich phänomenal, es kann teilweise aber schon recht dunkel sein. Uns wurde empfohlen die ISO auf 400 zu setzen, ich bin aber trotzdem bei 100 geblieben und hatte meist eine Belichtungszeit von maximal 1-3 Sekunden. Rauschen seht ihr in den Bildern also so gut wie gar nicht. Wichtig: Ihr habt an jeder Fotoposition nur 2 Minuten Zeit eure Bilder zu machen! Das ist schon wirklich stressig, vor allem, wenn bei dem Gedränge versehentlich mal ein anderer Fotograf an euer Stativ kommt und die Aufnahme dadurch verwackelt. Falls ihr Peaking an der Kamera habt, nutzt es! Bei dem Stress ist das Gold wert. Sollten eure ersten Bilder bereits top aussehen, spielt ein wenig mit der Belichtung herum. Ich habe zum Beispiel viele HDR Fotos gemacht, wenn noch Zeit war.
Und nicht zu vergessen: Nutzt einen Fernauslöser oder stellt den Selbstauslöser auf 2 Sek. ein. Klebt auch vorher das AF-Hilfslicht an der Kamera ab. Ansonsten strahlt dieses immer wieder auf die Felsen und zerstört die Bilder anderer Fotografen, das kann zu Stress führen ? Ich selbst hab’s vergessen und musste immer den Finger davorhalten.

(Eine Zusammenfassung aller Tipps und Tricks findet ihr ganz am Ende dieses Artikels)

TIPP: Schaut nach oben!

Die Guides machen wirklich einen tollen Job und geben euch beste Hilfestellungen. Aber blickt auf jeden Fall auch selbst mal nach oben und fotografiert die kleinen Spalten bzw. den Himmel. Hier macht sich euer Stativ erst recht bezahlt und ich kann empfehlen hier HDR Fotos zu machen. Andererseits fotografiert ihr schon zu sehr gegen das Licht. Sollte euch der Himmel ausbrennen, so könnt ihr ihn aber auch nachträglich in Photoshop ausschneiden. Die Kanten im Canyon sind recht hart, alles easy also.

 

Sunbeams erwischt man im September ca. gegen 11:30 Uhr.

Sunbeams:

Ich habe die Tour um 10 Uhr gebucht. Genau um diese Uhrzeit solltet ihr auch starten, denn gegen 11 Uhr könnt ihr die ersten sogenannten Sunbeams im Canyon beobachten. Das ist wirklich der absolute Wahnsinn und ein grandioses Naturschauspiel. Manchmal werfen die Guides noch ein wenig Sand in die Luft, damit die Sonneneinstrahlung noch deutlicher wird.
Auch hier habe ich in der Kürze der Zeit alles versucht, was ging. Im Prinzip habe ich von Bild zu Bild die Belichtung geändert. Die Schärfe habe ich natürlich auf den Sonnenstrahl gelegt.
Durch das Fisheye wirken die Bilder natürlich anfangs verzerrt, mit Hilfe der Objektivkorrektur in Photoshop könnt ihr das aber wieder in den Griff bekommen. Es ist spannend zu sehen, wie die Sunbeams als Lichtquelle im Canyon wirken. Dadurch ergibt sich ein sensationelles Lichtspiel an den Wänden.

TIPP: Bilder mit dem iPhone
Sollte jemand von euch mal zwischendurch das iPhone zücken und damit fotografieren, so stellt mal vorher euren Filter auf „Chrom“.

LOWER ANTELOPE CANYON

Wenn ihr schonmal bis Page gefahren seid, sollten ihr auch den Lower Antelope Canyon besichtigen. Dieser ist nochmal deutlich schmaler als der Upper Antelope Canyon. Hier werdet ihr oftmals Richtung Himmel fotografieren.
Ich habe mich entscheiden dort keine Photo-Tour zu buchen. Gelohnt hat es sich trotzdem. Da ihr ohnehin meistens nach oben fotografiert, ist eh niemand im Blickfeld.

Über eine steile Leiter gelangt ihr hinab in den Canyon. Seid dort vorsichtig!

Bei der geführten Tour machen die Guides auch immer wieder Bilder von euch, wenn ihr mögt. Spannende Geschichten gibt es auch zu hören. Bei Regen solltet ihr beispielsweise schnellstens den Canyon verlassen, da dieser sich blitzschnell mit Wasser füllt. Erst vor Kurzem sind dort deswegen einige Touristen tödlich verunglückt. Achtet daher bei eurer Buchung auf den Wetterbericht und plant euren Trip dementsprechend.

Im Lower Antelope Canyon durfte ich kein Stativ mitnehmen, daher habe ich die Kamera oft auf den ein oder anderen Felsen abgestellt, um zumindest etwas Ruhe in die Aufnahme zu bekommen. Der Canyon ist zum Glück auch deutlich lichtdurchfluteter als der Upper Antelope Canyon. ISO 400 ist meist ausreichend.

Hier hatte ich zu Beginn mit dem Zeiss 24-70 f 4 fotografiert, bin dann aber schnell wieder aufs 8-15mm umgestiegen. Man will ja nichts verschenken.

TIPP: Fangt Details ein
Achtet nicht immer auf das große Ganze, sondern fangt auch mal Details ein. Die wellenförmigen Strukturen der Felsen sind wunderschön. Hier könnt ihr ruhig mal an der ein oder anderen Stelle mit der Tiefenschärfe spielen.

Da dieser Canyon wie gesagt recht schmal und sehr „kurvig“ ist, habt ihr immer wieder mal die Möglichkeit kleine Ecken ohne Menschen zu fotografieren. Seid ruhig ein wenig dreist und lasst die Menschen hinter euch für ein paar Sekunden warten. Ihr kriegt die Chance nur ein Mal im Leben.

Nachbearbeitung

Hier hat natürlich jeder seinen eigenen Stil. Ich persönlich habe die Bilder überwiegend mit Lightroom nachbearbeitet. Insgesamt habe ich ca. 1.000 Bilder geknipst. Einige meiner Favoriten seht ihr hier. Neben der Objektiv- bzw. Profilkorrektur habe ich oft an den Tiefen und Lichtern sowie minimal an der Farbe gearbeitet, damit alles recht natürlich bleibt. Bei den Strukturen im Canyon bietet sich auch an, die Klarheit etwas hoch zu drehen und einzelne Rot- oder Gelbtöne hervorzuheben. Wie eingangs schon erwähnt, habe ich in Photoshop zusätzlich bei manchen Bildern den Himmel nachträglich ausgetauscht.

Falls ihr nicht selbst vor Ort sein könnt und trotzdem gerne eines meiner Bilder erwerben möchtet, so könnt ihr dies auf fotolia tun oder eine Anfrage an info@yovego.de schicken.

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